Nachtrag zur gestrigen lesebühne …

18 02 2011

Zum nachlesen noch den text über Peter Alexanders höchst subjektiv rezipiertes ableben:

Peter Alexander ist tot

Maschinengewehrsalven. Granaten, mörser. Explosionen. Es war eigentlich nicht unbedingt ein harter arbeitstag. Bamm. Da hats einem den fuß abgerissen. Er schreit. Jetzt nicht mehr.

Unsere truppe hat sich ganz gut geschlagen heute. Den chinesen haben wir gezeigt, wie man sowas hierzulande durchzieht. Die russen waren am hartnäckigsten, aber schlussendlich haben sie eingesehen, dass sie kein leiberl haben gegen uns. Wir hatten ja den minister auf unserer seite. Da werden im nachhinein noch ein paar köpfe rollen, wenn das rauskommt. Nach den letzten verhandlungen mit den auftraggebern gings dann wie geschmiert. Was wir auch haben. Bordellbesuche, saufen mit den chefs und denen, die es gerne mal werden wollen. 20 millionen euro. Kein dreck.

Im fernsehen stürzt ein helikopter unter grässlichem heulen und geschieße ab. Ein paar raketen schlagen noch im bunker ein. Die bösen schauspieler werden von den guten schauspielern niedergemetzelt. Blut und körperteile sind überall. Normalerweise halte ich diese kriegsfilme, in denen 90 minuten durchgehend geballert wird, ja für das beste mittel, um nach so einer geschichte abzuschalten. Heute will es nicht so richtig funktionieren.

Der superheld / anführer der guten hat ein hirnbatzerl auf der stirn picken und auf die kameralinse hats auch rotes zeug gespritzt. Nach dem nächsten schnitt ist alles wieder weg. Klassischer continuity-fehler. Anschlussfehler sagt man auf deutsch. Ich schalte mal einen kanal weiter.

Bamm bamm. Der sternenkreuzer pulverisiert ein paar abfangjäger, dann rammt er ein verpflegungsschiff der rebellen. Auch nicht spannend. Ich schalt noch eins weiter.

Aua. Was passiert da. Steht ein älterer verkleideter deutscher im 70er-jahre outfit auf einer riesen showbühne mit orchester im hintergrund und versucht einen unglaublich dämlichen sketch mit stimmenverstellung darzubieten. Ein esel ist involviert. Es ist vorbei. Ein paar geschätzte tausend zuschauer lachen und applaudieren. Die kamera fährt die reihen ab. Alles leute über 50. Dann kommt er ins bild: Peter Alexander. Mit warmherzigem hundebaby-lächeln beginnt er ein lied über die menschlichkeit zu singen. Meine nackenhaare stellen sich auf. Ich schalte weg.

Werbung. Wieder zurück in der realität. Elektrische zahnbürsten verwandeln verschmutzte beißerchen in strahlende marmorsäulen eines griechischen tempels würdig. Wunderbar. Jetzt kommt eine geile hausfrau und tritt einen kompletten tisch in den geschirrspüler. Und jetzt ein joghurt gegen blähungen.

Meine nackenhaare beruhigen sich, legen sich wieder. Aber wenn ich an meinen huntertausend-euro-bonus denke, laufen mir sofort wohlige schauer den rücken hinunter und ich bemerke mit genugtuung eine beginnende erektion. Ich wechsle zum kriegsfilm, aber da ist außer vor freude weinenden kindern und siegreicher panzerparade wenig los. Ich schalte weiter.

Wieder der Peter. Dieses würschtl! Im hintergrund nun gemalte papierfische! Gib dir das! Das muss ein zusammenschnitt aus den peinlichsten momenten der tv-geschichte sein. Jetzt singt er mit einem negermädl in seiner schmalzig-pickigen stimme über „süße früchte“ und die armen kleinen leute, die nicht hinaufkommen auf die bäume, um sie zu pflücken! Aber die großen, die großen tiere, die kriegen alle die süßesten früchte, während die entlein salat fressen müssen. Oho.

Na aber hallo. Da hat er sogar recht. Ich hol mir ein bier aus der minibar und schütt mir das ganze seiderl auf einmal runter. Was für ein auftreten! Was für ein gschau! Der wahnsinn in person. Erinnert mich an Jack Torrance alias Nicholson in „Shining“. Diese axtszene. „Hier ist Peter!“

Dieser Peter schüttet die heile welt nicht in schäuferl in die rachen der vor glück fast heulenden zuseher, ganze lkw-ladungen kippt er rein. Und wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch ein lied daher und weiter wird honig um grinsende mäuler geschmiert. Jetzt interviewt er ein kind. Heintje heißt es und wie ein gut trainiertes afferl spulen sie den vorgefertigten lustig-harmlosen song ab.

Der Peter und der Heintje, die hatten einen streit, wer wohl am besten sänge, wer wohl am besten sänge, zur schönen fernsehzeit, zur schönen fernsehzeit.“

Nun muss ich grinsen. Meine erektion ist vollkommen abgeklungen, der bonus vergessen. Ich öffne mir einen rotwein und trink die halbe flasche in einem zug. Jetzt tanzt der Peter. Hüpft wie ein irrer hampelmann neben einer frau im dirndl. Beide glauben, nein, setzen voraus, dass dieses getue lustig sein soll.

Ein kichern stellt sich ein. Es kommt von tief unten aus meiner magengegend. Dort rumort es. Schlecht ist mir plötzlich. Magensaft kommt hoch, aber ich spüls mit zweigelt wieder runter. Mir ist schwindlig. Ich schwitze. Kurz überlege ich, wieder zum kriegsfilm zurückzuschalten, aber das hier ist bitte sehr genial! Meine nackenhaare sind wieder aufgestellt. Der magensaft drängt sich in meiner speiseröhre immer höher. Da tritt dem Peter seine tanzpartnerin fest auf seinen fuß. Und er schreit! Herrlich! Er schreit und ist dann gespielt pseudo-böse! Ich muss lachen, laut lachen, ich lache über Peters folgende Hans-Moser-Imitation, über seinen dämlichen Graf Bobby, über seine noch dämlicheren schauspielpartner, ich lache über die herrlich blöde idee, sich zu verkleiden und zwar als jemand, der sich verkleidet hat! Ich lache, halte mir den bauch, kotze vor mir auf den teppich, eine halbe garnele hängt mir aus der nase, dann lache ich weiter. Dann kotze ich nochmal, dann lache ich, durchgehend.

Einmal ist er als frau verkleidet und redet mit dieser lächerlichen hohen stimme, dann hat er eine perücke auf und spielt rockstar, dann steht da plötzlich Falco und singt ein duett! Ich kotze wieder bis mein magen endgültig leer ist. Ein drängendes klopfen ertönt an der zimmertür. Wurscht. ich lache weiter, bis zur schlussschnulze, während der alle gäste im halbkreis auf der oberen bühnenhälfte schunkeln und vor ihnen als zwerge verkleidete kinder zur deko aufgebaut sind.

Nun singt er „Servus, auf wiedersehen, die show ist aus“. Und endlich sitzt da eine ziemlich alte version des Peters alleine vor einem klavier: „Dankeschön, es war bezaubernd. Dankeschön, wenn wir auch auseinandergehen, gibt’s doch ein wiedersehen.“

Ich kann nicht mehr. Es ist zu schön. Leergekotzt, leergelacht, betrunken wische ich mir die tränen und die essensreste aus dem gesicht und auf dem bildschirm erscheint eine nette moderatorin, die verkündet, Peter Alexander wäre gestern abend verstorben.

Ein kurzer lacher kommt mir aus. Echt? Hats ihn jetzt auch erwischt? Kichernd blicke ich auf meine hose. Ich habe mich bepisst. Also zieh ich sie aus, doch ich bin wacklig, stolpere und falle hin, mitten in mein ex-abendessen. Dort bleib ich liegen und beginne zu weinen. Jemand sperrt meine zimmertür auf, betritt zögernd den raum, sieht mich da plärrend liegen. Wer das ist, kann ich verheult wie ich bin nicht erkennen. Ich sage nur: „Er ist tot! Er ist tot!“

Wer?“ fragt die person voller angst in der stimme. „Wer?“

Peter. Peter Alexander ist tot.“ Und die welt versinkt in einem meer von tränen.





17. februar mit dem gewaltigen

15 02 2011

koschuh! Gesundheit! Einer unserer kollegen der Innsbrucker lesebühne „text ohne reiter“ schaut vorbei! Der beste slammer Österreichs des letzten jahres ist anwesend. Und nicht nur das. Der zweitbeste slammer Europas wird übermorgen fleisch geworden sein neben uns. Und … der beste mensch wahrscheinlich. Oder jesus 2.0? Ob er fleisch isst, weiß ich nicht. Vielleicht treibt er einige dämonen in schweinsköpfe.

Der koschuh ist am 17. februar super-stargast der original linzer worte. Und auch wenn wir anderen vier scheiße sind, wegen ihm sollte mann/frau kommen! Wir rocken den krebsen!

Und gedenken Peter Alexander. Nur wie wissen wir noch nicht.