Nachruf auf ein lesebühnenmitglied – Minkasia ist tot. Seit fünf minuten.

15 11 2009

Aufgrund des mir selbst auferlegten öffentlich-rechtlichen auftrags gibts hier folgenden text aus dem letzten programm der text-and-the-city-lesebühne zum nachlesen:

Aus der reihe: Aus dem leben toter menschen.

Minkasia ist tot. Seit fünf minuten. Das AMS hat sie umgebracht.

Minkasia hieß eigentlich Marlén, aber irgendwie waren ihre eltern ein paar jahre nach der geburt dauerhaft so sturzbetrunken, dass sie das korsakow-syndrom entwickelten und sich im späteren leben an Marléns namen nicht mehr so genau erinnern konnten. Ist ja auch egal, wie jemand heißt, hauptsache man ist nichtraucher.

Minkasia war schon länger arbeitslos, selbstverschuldet zwar, denn sie war schon über 25, journalistin und forderte damals von Johnny Weismüller VI. – ihrem arbeitgeber bei den oö nachrichten – einen notizblock sowie einen bleistiftspitzer, worauf dieser auf sie aufmerksam wurde („Was! Ich habe eine angestellte?“), sie einfach rauswarf („Verrecke, du alte schachtel!“) und selber zur schockbehandlung sofort ins bordell ging. Minkasia ging zum AMS. Das AMS schickte sie in den tod.

Man fragte sie, ob sie denn gerne als wasserversorgungstechnikerin arbeiten würde und verordnete ihr einen wünschelrutenlehrgang. Eine woche verbrachte Minkasia nun mit ihrem seminarleiter meister Franz „Obi Wan“ Kuttelwürger, der ihr den richtigen umgang mit seiner wünschelrute zeigte. Sie übte mehrmals am tag, oft mit verbundenen augen, manchmal unter zuhilfenahme von eiswürfeln, schokolade, handschellen, reitgerten, gleitmitteln und wachskerzen. Als den meister eine plötzliche geschlechtskrankheit befiel, erklärte er Minkasias ausbildung für abgeschlossen und schickte sie in den keller, in dem sie auf ihre verlorengeglaubte, böse zwillingsschwester Hildegard traf und diese in einem packenden wünschelruten-zweikampf den kopf abhackte.

Danach war Minkasia einige zeit für die ASFINAG als „autobahnentstörerin“ tätig. Sie fuhr unfallträchtige autobahnzonen ab und reparierte diese mittels mentaler kraft und dem akupunktieren des pannenstreifens. Von ihrem rückspiegel baumelte immer ein pendel, damit sie sofort reagieren konnte, falls sie mit ihrem dienstwagen durch ein zu arg gestörtes dorf im österreichischen hinterland brausen sollte.

Später war sie UN-botschafterin für energiewesen ohne papiere und versuchte aufenthaltsbewillungen für von ihren heimatlichen kultstätten vertriebene geister zu bekommen.

Was viele nicht wissen: Minkasia war auch eine hostessenservicekraft. Man aber auch frau konnte sie unter „reife mama Marlén“ im tütü-klub besuchen. Dort traf sie letztes jahr auch wieder auf ihren ex-arbeitgeber, Jonny Weismüller VI. Ihm knickte sie in einem weiteren spektakulären zweikampf zornig seine wünschelrute, die er gerade zwecks aufspürens von kraftfeldern in den unteren höhlen von Jennifer hin und her bewegte.

Trotzdem war Minkasia eine der weltweit 5 besten menschen, die gleichzeitig frauen sind und aß kein tierfleisch. Sie leckte es nur ab – und warf es dann weg. Auch bekannt als die „Leck-soviel-du-willst-diät“.

Ach! Wenn doch nur … Ich meine: Hätte das AMS sie doch in einen sinnvollen lehrgang, wie zum beispiel eine ausbildung zur lesebühnengründerin oder zur obst- und gemüsekonservatorin geschickt, wäre das nicht passiert. Minkasia wäre zu hause gesessen. Hätte obst und gemüse konserviert. Und sonst nichts weiter. Aber nein! So hatte sie sich nackt beim fkk-wünschelrutengehen in meine waldhütte verirrt und da ich diese gerade angezündet hatte – mir war kalt – war Minkasia drinnen verbrannt. Es tut mir leid, werte zuhörer, eine große frau, die auch mensch war, ist von uns gegangen.

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text and the city – ab in den keller

9 11 2009

Am 12. nov. 2009, also donnerstag, also überübermorgen, also in 3 tagen gehts weiter mit der ersten linzer lesebühne „text and the city“. Wiedereinmal heißt es „ab in den keller“ und zwar in den keller der alten welt am hauptplatz, wo Meindl, Buttinger, Weidenholzer, Sommer und meine wenigkeit erneut versuchen, die welt und das leben in worte zu fassen. Richtig gelesen. Unser mundart- und performanceliebling Didi Sommer wird es diesmal schaffen, das mittlerweile allgegenwärtige burn-out-syndrom abzustreifen, um sich mit uns in den gewölben der alten welt zu verirren.  Aber nicht nur das: Tombola, Buchrezension, „rückblick auf höhepunkte der satire“, 80er jahre analog-synthi-gedudel und vieles mehr warten in den dunklen katakomben einem lauschenden publikum.

Weitere infos:  http://linzerworte.blogspot.com/

http://www.postskriptum.at/lesebuehne01.html

Beginn ist wieder 20 uhr, bitte ein bissl pünktlicher als letztes mal, der eintritt ist frei (trotzdem kleingeld nicht vergessen)! Rauchen und saufen erlaubt. Über weiteres könnma diskutieren.