Stahlstadt

8 05 2008

oder
Don Alds de la Mampfa

An einem Ort in Linz-Land an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Bauer, einer von jenen, die einen Dreschflegel im Schirmständer, ein altes Joch an der Wand, einen 15er Steyr-Traktor aus den 40er-Jahren und eine Dackelzucht zum Jagen haben. Das war ich.

Es gab nicht viel zu tun und so las ich damals Ritter und Abenteuerromane, zum Beispiel den Herrn der Ringe und die Kronenzeitung. Davon wurde ich leicht verrückt, es trocknete mein Gehirn aus und ich fing an fliegende Windmühlen am Himmel zu sehen.

Doch schon bald spürte ich, die Zeit war angebrochen, in die große Welt zu ziehen.

Damals herrschte ein Zwergenkönig über das kleine Reich Ober-Öster und er saß in einer sagenumwobenen Stadt ganz aus Stahl: In der Stahlstadt.

Alles war dort aus Stahl gemacht – hatte ich gehört – die Türme, die Kutschen, die Brücken, die Pferde, die Straßen, die Fenster, die Hüte, die Eislutscher – oh wie ich Stahl liebte… Und dieser ganze Stahl wurde geschmiedet von den Meistern Ihrer Zunft, die bei den Elben in die Schule gegangen waren, den VOEST-Schmieden.

Also packte ich mir ein paar Würste in Brote und wickelte diese in Klopapier, denn Servietten gab es in meiner Waldheimat nicht, so weit draußen am Land wohnte ich. Sogleich ging ich in den Stall, band 64 meiner Dackel vor meinen Traktor und machte mich auf durch Wildes Land, überquerte einen gefährlichen Strom – die Autobahn – verlor ein paar Hunde, aber niemals meine Zuversicht.

An einer Herberge machte ich Rast und da bemerkte ich plötzlich: Ich brauchte einen Namen! Einen großen, glorreichen Namen und ich sah auf zum Schild der Herberge mit dem gelben M – und sofort wusste ich es: Ich würde heißen: Don Alds de la Mampfa!

Sogleich zog ich weiter gen Norden und war auch bald an der Grenze der Stadt angekommen.
Linz hieß sie und das Ortsschild war aus Stahl.

Doch nicht lange konnte ich verschnaufen, denn brummend und summend schob sich ein Lindwurm, ein Stahldrache auf mich zu. In seinem gläsernen Bauch saßen viele mürrische Menschen, die von ihm bereits verspeist worden waren.

Welch willkommene Gelegenheit, sofort meine Fähigkeiten zu erproben! Schnell trieb ich meine Dackeln an, schwang den Dreschflegel und hielt mit meinem Traktor auf den Drachen zu. Angsterfüllt bimmelte dieser mit einer Glocke irgendwo am Kopf. Ich traf ihn mehrmals hart, verlor wieder ein paar Hunde, doch durch nichts konnte ich seine Panzerhaut durchdringen und schlussendlich wurde ich schmerzhaft zur Seite geschleudert und blieb unter dem Traktor eingeklemmt liegen.

Bis Hilfe kam, dachte ich ein wenig nach. Mein Zorn auf den Zwergenkönig wuchs indessen mit jeder Minute! Wie herzlos und ungnädig zu seinem Volke musste er sein, ließ er doch Drachen durch die Straßen der Stadt ziehen und ihre Bürger fressen! Dieser Herrscher musste gestürzt werden! Das war mein Auftrag, meine Mission!

Nur kurz musste ich überlegen, wie dies zu bewerkstelligen wäre, denn in einem der vielen Bücher, die ich gelesen hatte, stand die Antwort schon geschrieben.

In den Zauberschmieden der Voest, musste ich das Ringschmiede-Handwerk erlernen. Neun Ringe würde ich schmieden und einen dem Zwergenkönig geben. Und die restlichen sicherheitshalber auch den anderen acht Königen des Reichs von Öster.

Und dann: Dann würde ich den EINEN Ring schmieden, ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden!

Ja, aber das hat dann so nicht funktioniert.

Irgendwann hab ich dann auch noch Hunger bekommen. Aber an einer Wurstbude sah ich dann noch das größte Wunder, von dem möchte ich euch zum Schlusse noch erzählen. Als ich Würste in Broten bestellte die dort Bosna hießen, da wickelten sie sie mir in Klopapier, wie ich es von zuhause kannte, doch: Linz du meine Offenbarung! Das Klopapier, es war ganz dünn und raschelte laut und es glänzte und spiegelte sich mein Gesicht darin! In Linz haben sie Klopapier aus Stahl!

Und dann bin ich wieder nach Hause gegangen.





Frauenschwerpunkt Linzfest 08

8 05 2008

Zitat aus der Einladung:

Poetry Slam Linzfest 08 „diesmal mit Frauenschwerpunkt UND BEATBOX-Einlagen!!!!
WO: Lentos LINZ im großen Auditorium

WER: 8 geladene AutorInnen davon 1 Team:
Petra Rechberger, Linz
El AWADALLA, Wien
Yasmin HAFEDH, Wien
MELAMAR, Wien
KYN, NÖ/Wien
Marlies & Andi Pianka, Wien
René Monet, Linz
3 vor ORT geloste AutorInnen, Teams?

WIE: 5 Minuten Zeit für eigene Texte und füüüü Zuschauer!
WANN: SAMSTAG, den 10. Mai 08 von 20:00 BIS 23:00 UHR
WO: LENTOS LINZ
EINTRITT: frei!!!“